Korrosionsbeständige Leistungselektronik

08-03-2026

Korrosionsbeständige Leistungselektronik

Die allgegenwärtige Herausforderung: Korrosionsbedingte Zersetzung in rauen Umgebungen

Leistungselektronik in anspruchsvollen Anwendungen wie Offshore-Windparks, Schiffen und Industrieanlagen ist ständig korrosiven Einflüssen ausgesetzt. Hohe Luftfeuchtigkeit, Salznebel, Schwefeldioxid (SO₂) und Schwefelwasserstoff (H₂S) sind die Hauptursachen für Korrosion. Diese Bedingungen sind in maritimen und küstennahen Gebieten besonders ausgeprägt, da die Kombination aus Salz und Feuchtigkeit ein hochleitfähiges und aggressives Milieu schafft. In solchen Umgebungen sind Standard-Leistungselektronikkomponenten wie Zwischenkreiskondensatoren, IGBT-Module und Stromschienen stark korrosionsanfällig. Die Ausfallmechanismen sind tückisch: Eindringende Feuchtigkeit kann zur Delamination interner Strukturen führen, während chemische Angriffe auf Metallanschlüsse und Verbindungen den Widerstand erhöhen und so ein thermisches Durchgehen und einen katastrophalen Ausfall verursachen können. Die wirtschaftlichen und sicherheitstechnischen Folgen solcher Ausfälle in kritischen Infrastrukturen sind immens, weshalb Korrosionsbeständigkeit ein unverzichtbares Konstruktionskriterium darstellt. Der Industriestandard zur Validierung dieser Beständigkeit ist der THB-Test (Temperatur, Feuchtigkeit, Vorspannung), der die Langzeitexposition gegenüber diesen rauen Bedingungen unter elektrischer Belastung simuliert.

Corrosion Resistant Power Electronics​

Material- und Beschichtungsinnovationen: Aufbau einer physischen Barriere

Die erste Verteidigungslinie gegen Umwelteinflüsse ist die physikalische Barriere, die durch fortschrittliche Materialien und Schutzbeschichtungen gebildet wird. Bei leistungselektronischen Bauteilen erfordert dies einen mehrschichtigen Ansatz. Die wichtigste Innovation ist die Verwendung von Epoxidharz-Vergussmasse und lösungsmittelbeständigen Kunststoffgehäusen für Komponenten wie Zwischenkreiskondensatoren. Diese Materialien sind so konzipiert, dass sie hochgradig undurchlässig sind und verhindern, dass Feuchtigkeit und korrosive Gase die empfindlichen internen Metallisierungsschichten und Elektrodenstrukturen erreichen. Bei Halbleitermodulen werden fortschrittliche gesinterte Nano-Kupfer-(Cu)-Verbindungen mit der APPJ-Technologie (Atmospheric Pressure Plasma Jet) behandelt, um einen Schutzfilm abzuscheiden. Dieser Film, der häufig aus einem Si-O-Netzwerk besteht, bildet eine stabile, hydrophobe Schicht, die Wasser abweist und das Eindringen korrosiver Substanzen wie H₂S und O₂ verhindert. Zusätzlich bietet die Verwendung von CrN-(Chromnitrid)-Beschichtungen mittels HIPIMS (High-Power Impulse Magnetron Sputtering) auf Metalloberflächen eine dichte, harte Schicht, die Lochfraß und allgemeiner Korrosion widersteht. Bei diesen Materiallösungen geht es nicht nur um das Aufbringen einer Schicht; Es geht darum, eine hermetisch abgedichtete Umgebung zu schaffen, die die elektrische Integrität der Komponente über ihre gesamte Lebensdauer hinweg aufrechterhält, selbst bei ständiger thermischer Belastung und mechanischer Beanspruchung. 

Marine Power Electronics​

Systemdesign: Abdichtung, Schutzlackierung und Umweltkontrolle

Über die Komponentenebene hinaus ist die Systemauslegung entscheidend für die Langlebigkeit von Leistungselektronik in korrosiven Umgebungen. Dies beinhaltet den strategischen Einsatz von Schutzlackierungen auf Leiterplatten und die hermetische Abdichtung ganzer Leistungsmodule. Schutzlackierungen, beispielsweise aus speziellen Acrylaten, Polyurethanen oder Silikonen, werden auf Leiterplatten aufgetragen und bilden einen dünnen Schutzfilm, der die Komponenten vor Feuchtigkeit, Staub und chemischen Verunreinigungen isoliert. Für extremste Umgebungen, wie etwa Unterwasseranwendungen, werden die Gehäuse der Leistungselektronik häufig mit einem Inertgas wie Stickstoff gespült oder mit einer dielektrischen Flüssigkeit gefüllt, um einen Überdruck zu erzeugen, der das Eindringen von Verunreinigungen verhindert. Darüber hinaus müssen Kühlsysteme korrosionsbeständig sein. Beispielsweise verhindert die Verwendung abgedichteter Kühlplatten aus korrosionsbeständigen Materialien (z. B. Aluminium mit eloxierter Beschichtung) Kühlmittelleckagen und das damit verbundene Risiko von Kurzschlüssen. Ziel des Systemdesigns ist es, innerhalb des Leistungswandlers eine saubere Umgebung zu schaffen, die die empfindlichen Silizium- und passiven Bauteile von der Außenwelt isoliert. 

Offshore Wind Power Electronics​

In der risikoreichen Welt der Leistungselektronik, wo die Systemverfügbarkeit direkt mit Umsatz und Sicherheit verknüpft ist, sind die Kosten eines Komponentenausfalls immens. Die Entwicklung korrosionsbeständiger Leistungselektronik ist daher nicht nur eine technische Herausforderung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Durch Investitionen in fortschrittliche Materialien, robuste Beschichtungen und intelligentes Systemdesign können Hersteller Produkte liefern, die selbst härtesten Bedingungen standhalten – von der Tiefsee bis zur Industriewüste. So wird sichergestellt, dass die Leistungsumwandlung über Jahrzehnte hinweg effizient, sicher und zuverlässig bleibt. Die Zukunft der Leistungselektronik liegt in ihrer Fähigkeit, nicht nur hocheffizient, sondern auch absolut widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen zu arbeiten. 

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